Jahr 2014 Interessante Auszüge aus den Protokollen  der  Historischen Stammtische.

08. 01. 2014

Herr Jünger konnte 12 Teilnehmer zum ersten Stammtisch im Jahre 2014 begrüßen. Aus aktuellem Anlass zeigte er alte Neujahrskarten, die vor 100 Jahren modern waren.

Das Hauptthema war ein Bildbericht über historische Wertpapiere aus unserer Region. 47 Dokumente wurden vorgestellt.

Dabei informierte er die Anwesenden über Aktien einzelner Betriebe. Sie belegen die rege wirtschaftliche Tätigkeit unserer Region und das man auch hier die Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung mit Hilfe von Aktien und Anleihen nutzte. Sie zeigen aber auch, dass nicht alle Unternehmen die politischen und wirtschaftlichen Zwänge überstehen konnten. Einige aus dem näheren Umfeld seihen hier vorgestellt.

 

Flachsspinnerei Hainitz AG

Herstellung, Ankauf und Vertrieb von Erzeugnissen der Textilindustrie. Haupterzeugnisse: Leinengarne. Die Firma wurde 1865 gegründet; AG seit 1.4.1942, eingetragen am 10.7.1942. Gründung unter Übernahme der Firma Mechanische Flachsgarnspinnerei Hainitz GmbH. Nach 1946 VEB Vereinigte Leinenindustrie Großpostwitz. Nach 1990 verschiedene Ausgründungen, die bis auf die Ontex Hygieneartikel Deutschland GmbH nur kurz existierten.

 

Vereinigte Bautzner Papierfabriken AG

Die Gründung als AG erfolgte 1871, Papierfabriken für mittelfeine, feine und feinste Papiere. Die Gesellschaft besaß Fabriken in Bautzen, Obergurig, Doberschau und ein Kraftwerk in Singwitz. Ferner gehörte der Gesellschaft ein Bauerngut in Schwarznaußlitz so wie das Rittergut Obergurig bei Bautzen. Die Arbeiter konnten so mit billigen landwirtschaftlichen Produkten versorgt werden. Der gesamte Grundbesitz belief sich im Jahre 1929 auf 112,4 ha. Zu den verschiedenen Werken gehörten unter anderem 15 Angestellten- und Arbeiterwohnhäuser und auf dem Fabrikgelände erschlossene Kies- und Sandgruben sowie Granit- und Syenitsteinbrüche. Fast 800 Angestellte und Arbeiter wurden zwischenzeitlich beschäftigt. Börsennotiz in Berlin und Dresden/Leipzig.

 

Bautzener Brauerei und Mälzerei AG

Sie war zunächst eine Genossenschaftsbrauerei, seit 1880 dann AG. Die Brauerei und Mälzerei nebst Gastwirtschaft und Saal lag an der Neusalzaer und Dresdner Straße, außerdem 18 Bierniederlagen in Dresden und in der Lausitz. Börsennotiz Dresden, später Leipzig.

 

C. T. Hünlich AG Wilthen

Gegründet wurde die Firma 1917 in Magdeburg. Herstellung von Weindestillaten, Weinbrand und anderen Erzeugnissen des Nahrungsmittelzweiges sowie der Handel mit solchen. 1923 trat die Gesellschaft in enge Interessengemeinschaft mit der H.A. Winkelhausen-Werke AG in Magdeburg.

Am 15.4.1930 wurde die Gesellschaft von jener übernommen und in Winkelhausen-Hünlich Weinbrennereien AG umbenannt bei gleichzeitiger Verlegung des Sitzes nach Wilthen. Da die Fusion den Erwartungen nicht entsprach, wurde Anfang 1931 für den Fortbetrieb des früher von der C.T. Hünlich AG betriebenen Handelsgeschäfts die C.T. Hünlich Weinbrennerei GmbH in Wilthen i. Sa. gegründet. Die Gesellschaft hatte auch eine Niederlassung in Köln, Linnicher Str. 54. 1951 VEB Weinbrand Wilthen. Ende Juni 1990 erfolgte die Umwandlung des Betriebes in die Wilthener Weinbrennerei GmbH durch die Treuhandanstalt. 1992 übernahm die Gräflich von Hardenberg’sche Kornbrennerei die Geschäfte. Unter dem Namen Hardenberg-Wilthen AG firmiert der deutsch-deutsche Zusammenschluss seit 1998. Heute gehört der Name Wilthener zu den erfolgreichsten Spirituosenmarken Deutschlands.

 

C.G. Thomas Wilthen AG

Die Gründung erfolgte 1923. Erwerb und Fortführung des unter der 1870 gegründeten Firma C.G. Thomas in Wilthen betriebenen Textilunternehmens. Produkte: Schlaf- und Pferdedecken, Konfektions- und Schuh-Futterstoffe, alle Arten von Frottiergeweben, Scheuer-, Putz-, Wisch-, Polier- und Handtücher. 1946 Enteignung, nun VEB Decken- und Scheuertuchweberei Wilthen. 1953 Zusammenschluß zum VEB VEGRO Kirschau. Nach der Wende entsteht auf dem Firmengelände das HZO Handelszentrum Wilthen.

 

Waggon- und Maschinenfabrik AG vorm. Busch Bautzen

Gründung bereits 1846, AG ab 1896 als "Wagenbauanstalt und Waggonfabrik für elektrische Bahnen (vorm. W. C. F. Busch) AG" mit Sitz in Hamburg. Neben der Fabrik in Hamburg-Eimsbüttel gehörte der AG auch die Waggonfabrik der vormaligen "Maschinenfabrik Melzer & Co. KG" in Bautzen. 1912 Sitzverlegung nach Bautzen. 1928 Fusion mit der Linke-Hofmann AG in Breslau (1934 wieder getrennt). Das in der DDR enteignete Werk in Bautzen gehörte nach der Wende zur DWA Deutsche Waggonbau AG, seit 1998 ist es ein Teil des kanadischen Bombardier-Konzerns.

 

Gebrüder Friese Kirschau

Herstellung von Schlafdecken, Scheuertüchern, und Futterstoffen. Gegründet 1845 unter August Friese, dann 1890 mit der Mechanischen Weberei August Friese vereinigt. Am 13.9.1921 durch Ankauf in den Besitz der Mechanischen Weberei AG, Sohland, übergegangen, die ihren Namen in Gebrüder Friese AG änderte und ihren Sitz nach Kirschau verlegte. 1935 Übernahme der AG für Spinnerei und Weberei in Oederan unter Ausschluss der Liquidation mit Rückwirkung per 31.12.1935. Beteiligungen (1943): 1. Gebr. Steeman AG, Kirschau. 2. Kratzenfabrik Friese & Co., GmbH, Oederan. 1992 Fortsetzung der Gesellschaft, 1994 aufgelöst, 1998 Gebrüder Friese AG i.A., Dresden.

 

Zum Stammtisch im Dezember 2013 wurde ein Stück Dielenbrett aus dem Haus Kirchplatz 1 in Bautzen vorgestellt. Jetzt liegt die Entzifferung der Handschrift durch Frau Johanna Wehle vor:

 

„Schnaps und Bier gab’s nich erst zwar nicht frei und gestellt hat sie Paul Döcke“

 

am 12. 2. 2014

16 Teilnehmer waren zum Leitthema „Ein Rundgang durch Bautzen mittels alter Ansichtskarten“ gekommen, den Bernd Seiler aus seiner Sammlung gestaltet hatte und mittels Laptop und Beamer präsentierte.

Er bezog in seinem Rundgang auch die nähere Umgebung mit ein. Dabei zeigte er auch Ansichten, die so heute nicht mehr vorhanden sind. Besonders die Bleichen und Wäschereien im oberen Spreetal gibt es lange nicht mehr. Aber auch im Stadtgebiet hat sich vieles, wie am Beispiel des Postplatzes gezeigt werden konnte, verändert.

Über  80 alte Postkarten zeigte Bernd Seiler im Verlaufe seines Vortrages. Die eine oder andere unbestimmte Ansicht  konnte von den interessierten Anwesenden territorial eingeordnet werden.

Wie immer brachten die Freunde des Historischen Stammtisches weitere Fotos, Drucksachen oder alte Werbungen mit, die von Hand zu Hand gingen. Hans Marschke hatte eine alte Wanderkarte von Zittau und Umgebung aus dem Jahre 1895 dabei, die besonders von Landkartensammlern mit Interesse betrachtet wurde. Aber auch eine alte Postkarte vom Eierschieben am Proitschenberg in Bautzen und eine alte Preisliste für Vieh und Fleisch erzeugte Aufmerksamkeit.

Armin Wagner hatte aus einem Büchlein von 1924 „Bautzen ein Wegweiser zur Schönheit der alten Stadt“ die Werbungen fotografiert und zeigte sie.

Aus aktuellem Anlass des Großfeuers in Kirschau, zeigte Frank Jünger einen Film der 2004 entstanden war und ein Buch über die Produktionsstätten der Firma Gebrüder Friese Kirschau vorstellt. So ähnlich wie im Film zu sehen lagert auch heute noch das Material in den Fabrikhallen. Die Firma Gebrüder Friese besaß früher, wie fast alle größeren Betriebe, eine eigene Betriebsfeuerwehr.

 

12. 03. 2014

12 Freunde des Historischen Stammtisches konnte Herr Jünger zum Leitthema „Ein Oberguriger über Obergurig“ begrüßen. Herr Mardek hatte das Buch „Apernmauke und resonante Pulsationen“ von Prof. Dr. Briesovsky zum Anlass seiner Präsentation genommen, welches der aus Kleindöbschütz stammende Autor dem Heimatverein Obergurig geschenkt hat.

Herr Prof. Dr. Briesovsky schreibt in einem Brief an den Vorsitzenden des Heimatvereins Herrn Wagner:

 

„…… ich habe mit Interesse den Denkmalführer und Rundwanderweg der Gemeinde Obergurig gelesen. Dort wird das Haus Großdöbschützer Str. 5 beschrieben. Ich habe in diesem Haus meine Kindheit und Jugend verbracht. Das Haus gehörte meinen Großeltern väterlicherseits. Mein Großvater Peter Briesovsky war Fabrikarbeiter in der Papierfabrik Obergurig und später Feuerwehrhauptmann und in der Nazizeit Bürgermeister. Meine Mutter war im Kuchenhäusel Kellnerin um 1940 und in den 1970er Jahren eine zeitlang Köchin im Kindergarten in der ehemaligen Fabrikantenvilla. Ich habe einiges zu meiner Zeit in Kleindöbschütz in einem Heft zusammengefasst, das ich Ihnen gern schenke ……“.

Herr Mardek befasste sich in seinem Vortrag vor allem mit der  Schulzeit des Verfassers, die 1947 in der Grundschule Obergurig begann und 1959 in der Schiller Oberschule in Bautzen mit dem Abitur endete. Im vorliegenden Heft wird diese Zeit bis zur Seite 25 beschrieben. Die nächsten 121 Seiten beziehen sich auf sein Studium in Moskau, die weitere berufliche und familiäre Entwicklung, bis zum BB RescoPuls Ingenieurbüro in Merseburg.

Im weiteren Verlauf des Abends stellte Herr Jünger ein Angebot aus dem Internet vor, welches die Frage aufwirft, ob der in Obergurig geborene Kunstmaler Adolf Fischer-Gurig auch Bücher verfasst hat. Jedenfalls bietet ein Händler den Reprint eines Werkes mit den Titel „Bilder aus Japan…“ an. Als Autor wird Adolf Fischer-Gurig angegeben. Das Buch hat 428 Seiten und wird unter der Rubrik Geschichte für 34,95 € verkauft. Weiterhin fand Herr Jünger 4 Hefte über Ausstellungen von Geflügel und Kaninchenschauen in und bei Obergurig aus den Jahren 1972, 1973, 1977 und 1981 die im Internet verkauft werden. Auch alte Ansichtskarten findet man immer wieder, wie eine aus dem Jahre 1900 mit einer Ansicht des alten Singwitzer Bahnhofes, als dieser noch eine Zweigleisanlage mit einem Güterbahnhof für die Vereinigte Bautzener Papierfabriken hatte.

Rechts erkennen wir das Bahnhofsgebäude mit der Bahnhofswirtschaft im Hintergrund. Im Güterschuppen links wurden die Waren der Papierfabriken Obergurig, Singwitz und Doberschau gelagert, die mit Pferdefuhrwerken hierher transportiert wurden. Dieser Güterbahnhof verschwand im Ersten Weltkrieg, nachdem das neue Anschlussgleis von Großdöbschütz bis nach Gnaschwitz gebaut wurde. Die Papierfabrik Obergurig erhielt auch Werkbahnanschluss und besaß eine eigene Dampfspeicherlock.

Herr Jünger zeigte dann noch weitere alte Postkarten von Obergurig und Umbebung die alle von unserem Techniker, Herrn Dieter Muschinsky, mittels Laptop und Beamer vorgeführt wurden. Mit dabei waren zwei interessante Luftaufnahmen vom Werk II Kirschau, der C. Otto Engert Textilwerke G.m.b.H. Die Firma besaß vor dem 2. Weltkrieg Betriebe in Kirschau, Kleinwelka, Callenberg, Schirgiswalde und Geithain.

 

09. 04. 2014

 

16 Freunde des Historischen Stammtisches waren gekommen um bei den Vorträgen und Diskussionen zu den Themen „Oberlausitzer Bergbauden und Aussichtstürme“ sowie „175 Jahre 1. Deutsche Ferneisenbahn“ dabei zu sein. Zum Beginn gedachten die Anwesenden des am 16.3.2014 verstorbenen Stammtischmitgliedes Herrn Dr. Hans Renner, der viele Jahre auch als Vorsitzender des Heimatvereins Obergurig, den Historischen Stammtisch mit geprägt hatte.

Herr Wagner nahm dann die Anwesenden zu einer virtuellen Reises zwischen Landeskrone und Valtenberg mit. Insgesamt 14 Türme beziehungsweise Bauden wurden dabei besucht. Mit dabei waren selbstverständlich auch die Hausberge und Bauden unserer näheren Umgebung wie Mönchswalder, Jägerhaus und Sora. An Hand von Fotos und historischen Ansichtskarten wurden die Geschichte und der heutige Zustand erläutert.

Auch auf Fauna und Flora wurde eingegangen. Blicke von den Höhen in die Ferne und in nähere Täler konnten an der Leinewand, unabhängig von der aktuellen Wetterlage, getätigt werden.

Herr Mach zeigte Aufnahmen von der Restaurierung des Mönchswalder Turmes, die er im Jahre 1995 gemacht hatte. Damals wurde der gesamte Turm entkernt, ein neues Treppenhaus eingebaut und eine neue Turmhaube mittels Hubschrauber aufgesetzt. Das geschah 110 Jahre nach der Errichtung des Aussichtsturmes.

Herr Jünger zeigte dann aus aktuellem Anlass der Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen der ersten deutschen Ferneisenbahn Leipzig – Dresden einen im Jahre 1996 aufgenommenen und jetzt bearbeiteten Film.

Als im Jahre 1996 der Bahnhof Bautzen sein 150-jähriges Jubiläum feierte, war am 22. und 23. Juni auch der Nachbau der legendären Lokomotive Saxonia nach Bautzen gekommen. Diese Lokomotive war zu DDR-Zeiten entstanden, um zur 150-jährigen Wiederkehr der Eröffnung der ersten deutschen Ferneisenbahn Leipzig – Dresden am 8.4.1989 eingesetzt zu werden. Sie führte damals eine bemerkenswerte Fahrzeugparade an.

Zur Steckeneröffnung 1839 durfte die Schubertsche sächsische Lokomotive den von zwei englischen Loks gezogenen Wagenzug nur hinterherfahren. So wurde die vom Konstrukteur und Erbauer Johann Andreas Schubert persönlich geführte Saxonia durch eine verstellte Weiche auf ein Abstellgleis geleitet, wo sie gegen eine englische Lok prallte. Die Engländer konnten ihr Monopol im Lokomotivbau jedoch nicht halten. Immer mehr Erzeugnisse kamen aus sächsischen Werkstätten und lösten die englischen Lokomotiven ab.

Die DDR hat 1988 eine 5 Mark Gedenkmünze mit der Abbildung der ersten deutschen Lokomotive herausgegeben.

 

14. 05. 2014

11 Freunde des Historischen Stammtisches waren zum 161. Zusammentreffen gekommen. Armin Wagner berichtete über die Geschichte der Kursächsischen und Königlich Sächsischen Postkutschen und deren Postillione von 1770 bis zum Siegeszug der Eisenbahn an Hand von zwölf farbigen Bildern aus einem alten Heft.

Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Leipzig – Dresden 1837 nahm der Bau von weiteren Schienenwegen in ganz Sachsen Tempo auf. 1846 wurde die Strecke zwischen Bautzen und Görlitz fertig gestellt und der abgebildete Eilpostwagen (Dilligence) hatte seine letzte Fahrt. Er steht hier am stattlichen Gasthof in Reichenbach.

1865 wurde auch Franzensbad an das Eisenbahnnetz angeschlossen und das Ende der Postkutschen war herangekommen.

 

Bernd Seiler stellte in seinen Vortrag dann postalische Belege zum Thema 175 Jahre erste deutsche Ferneisenbahn Leipzig – Dresden vor.

Nicht nur die Deutsche Post, sondern auch die LVZ Post und post MODERN brachten zum Eisenbahnjubiläum Sondermarken und andere Belege sowie Sonderstempel heraus. Bernd Seiler zeigte an Hand seiner Belege, wie interessant und aussagekräftig zur Geschichte die kleinen Briefmarken sind.

Als Erstbesucher stellte sich dann Detlef Schönbach aus Schwarznaußlitz vor. Er interessiert sich für die Geschichte und hatte auch eine Münze mitgebracht.

 

11. 06. 2014

Zum 162. Historischen Stammtisch trafen sich 12 interessierte Freunde der Historie unseres Ortes. In Ergänzung der Forschungen Diethard Mardeks zum Rittergut Obergurig und deren Besitzer bzw. Bewirtschafter, zeigte Armin Wagner Kopien von Fotographien und Dokumenten. Sie stammen größtenteils aus der Zeit der Jahrhundert-wende bis zum Ende des 1. Weltkriegs. Besitzer des Gutes war damals eine Familie Lingke, ein altes Patriziergeschlecht der Freiberger Linie. Zur Verfügung gestellt wurde das Material von Frau Vera Lingke aus Hamburg. Über das Internet wurde ihr Lebensgefährte und sie auf unseren Stammtisch aufmerksam und nahmen sogleich Verbindung mit Armin Wagner auf.

Zu klären wäre noch der genaue Zeitraum der Bewirtschaftung durch die Familie und die Umstände, welche dazu führten, Obergurig zu verlassen. Also auch aus der „jüngeren“ Vergangenheit gibt es noch einiges zu erforschen.

 

09. 07. 2014

Dieser Historische Stammtisch ging den Spuren des 1. Weltkrieges in unserer Gemeinde nach. Nach einer allgemeinen Darstellung zu den Ursachen und den Beginn des Krieges wurde durch Herrn Jünger konkret über die Rüstungsproduktion in unserer Gemeinde und den Bau der Eisenbahnlinie nach der Königlich Sächsischen Pulverfabrik im Spreetal berichtet. Einige historische Fotos wurden auch in einer kleinen Ausstellung, zusammen mit persönlichen Erinnerungsstücken von Kriegsteilnehmern, die aus Obergurig und Umgebung stammten, gezeigt.

Noch heute findet man eine Weiche und einen Signalhebel am so genannten „Toniweg“, der auf dem alten Gleisbett der ehemaligen Werksbahn nach Gnaschwitz angelegt wurde. Diese Bahnstrecke wurde von französischen Kriegsge-fangenen im 1. Weltkrieg gebaut. Es handelt sich hier um eine drahtzugbediente Flankenschutzeinrichtung des ehemaligen Übergabebahnhofs bei Großdöbschütz.

Herr Hilmar Urban aus Obergurig hatte von seinem Vater ein Seitengewehr und eine Patronentasche, die dieser aus dem Krieg mit nach Hause brachte, für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Von Max Jünger stammt eine Friedrich August Medaille, die dieser am 6.1.1918 nach der Teilnahme an der Herbstschlacht in Flandern, bei der er verwundet wurde, erhielt.

Weiter wurden persönliche Schicksale von Soldaten im Ersten Weltkrieg, die der Vater, bzw. die Großväter erlebt hatten, von Frau Wirth, Herrn Wagner und Herrn Jünger vorgestellt.

 

 
 

 

13. 08. 2014

Diesmal ging es um neue Informationen zur Papierfabrikgeschichte, die von 4 Geschichtsfreunden präsentiert wurden.

Als Erster konnte Diethard Mardek über die Familie Stegemann in Wort und Bild informieren:

Wilhelm G. Stegemann (1887-1961) wurde Anfang der 20er Jahre in den Vorstand der Vereinigten Bautzner Papierfabriken (VBPf) berufen und übernahm wenig später dessen Vorsitz, den er bis 1945 innehatte. Er führte die VBPf zu einem Musterbetrieb der deutschen Wirtschaft. Einigen Obergurigern dürfte sein Buch „Vereinigte Bautzner Papierfabriken“ von 1934 bekannt sein. 1946 folgte er von Westberlin aus seinen beiden Kindern und wanderte nach Australien aus. 2012 besuchten seine direkten Nachkommen bei einer Weltreise auch unser Papierfabrikmuseum in Obergurig und übergaben uns Bilder und Dokumente von Stegemann.

Frank Jünger stellte dann Dokumente vor, die er von Lutz Kieschnik aus Singwitz für das Papierfabrikmuseum erhalten hat. Es handelt sich im einzelnem um ein Handbuch der praktischen Papierfabrikation von 1886, in dem Ersatzmittel für den immer knapper werdenden Hadernrohstoff beschrieben werden. In einem weiteren Buch werden die gelieferten Strohmengen von Bauern zur Papierherstellung buchhalterisch exakt aufgelistet. Auch aus der näheren Umgebung sind folgende Lieferanten aufgeführt: Kieschnik und Wilhelm aus Doberschau, Beer aus Boblitz, Dutschmann, Mieth und Rämsch aus Singwitz, das Rittergut Preuschwitz, Simon aus Großdöbschütz, Rämsch aus Kleindöbschütz und Mucke aus Mönchswalde. Interessant sind die Eintragungen in einem Cassa=Buch. Hier finden wir z.B. den Satz „20.4.1885, Vertrunken bei der Holzaction in Singwitz, 1 Mark“

Ein Heft beschreibt die an das Werk Doberschau gelieferten Hadernmengen aus Obergurig und aus Bautzen. Die Eintragungen, welche noch aufwendig auszuwerten sind, zeigen die wirtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Werke der VBPf untereinander und nach außen.

Herr Armin Wagner hatte, ebenfalls von Herrn Lutz Kieschnik, ein „Christliches Erbauungsbuch“ von 1749 und eine Quittung über die Holzauktion in Singwitz aus dem Jahre 1894 mitgebracht, die künftig im Archiv des Heimatvereins aufbewahrt werden. An dieser Stelle sei der Familie Kieschnik aus Singwitz ein besonderer Dank für die überlassenen Dokumente und Bücher  ausgesprochen.

Michael und Matthias Franta zeigten dann 100 Zeichnungen und Skizzen des aus Obergurig stammenden Kunstmalers Adolf Fischer-Gurig, ein Sohn des Papierfabrikanten Fischer.

 

10. 09. 2014

13 Freunde des Historischen Stammtisches waren zum 165. Zusammentreffen in den Ratskeller Mönchswalde gekommen. Zum Beginn gratulierten alle Anwesenden Herrn Hans Marschke ganz herzlich zum 75. Geburtstag, den er an diesem Tage bei bester Gesundheit feierte.

Herr Frank Jünger zeigte dann aus Anlass des 125. Geburtstages von Hermann Raussendorf einen Kurzfilm über das Lebenswerk dieser Persönlichkeit unserer Gemeinde.

Dieser Film wurde auch im oko gesendet und kann bei YouTube mit dem Suchbegriff „HR 125“ abgerufen werden. Besitzer eines Smartfones können sich diesen per QR-Code ansehen:

Dann berichtete er über die 640-Jahrfeier von Tautewalde an Hand von Fotos. Es war ein gelungenes Fest mit vielen historischen Darstellungen. So wurde auch an den in Mönchswalde geborenen Mundartdichter Hermann Klippel, der ab 1936 in Tautewalde lebte, in einer kleinen Ausstellung gedacht:

Auch eine „Oberlausitzer Hochzeit“ wurde dargestellt. Mit dabei war der Mundartforscher Hans Klecker.

Historische Maschinen und Geräte gehörten zu einer gut gestalteten Ausstellung. Dabei wurde auch das Wäschewaschen in alter Zeit gezeigt:

In weiteren Beiträgen beim Historischen Stammtisch wurde an den Tag der Sachsen an Hand von Bildern der Bautzener Numismatiker erinnert, auf die Münzausstellung „1000  Jahre Geldgeschichte der Oberlausitz“ im Schloss Krobnitz hingewiesen und einige alte Dokumente aus unserer Gemeinde präsentiert:

 

08. 10. 2014

Geburtstag feierte Ende September das Längenmaß „Meter“. Es wurde 125 Jahre alt. Am 26. September 1889 legte die Generalkonferenz für Maß und Gewicht den Internationalen Meterprototyp als Normal des Meters fest. Bis dahin hatte jeder Staat seine eigenen Längenmasse.

Bei der Präsentation zweier Bildhefte von Bautzen und Umgebung konnte festgestellt werden, dass vor noch gar nicht langer Zeit die sorbischen Frauen bei uns ähnlich mit Kopftüchern gekleidet waren, wie heute die Frauen im Orient.

Da der Stammtisch diesmal mehr der Unterhaltung diente, war ein Quiz vorbereitet wurden. Die Teilnehmer sollten 12 Fragen beantworten. Alle Themen waren am Historischen Stammtisch schon behandelt wurden. Natürlich konnte auch geraten werden.

Die vier Besten des Stammtisch-Quiz erhielten als Preis je einen Flachmann voll Kräuterlikör „Stammtischschluck“. Alle Teilnehmer bekamen eine 30 Jahre alte Postkarte von Obergurig.

 

12. 11. 2014

Es wurde von Herrn Jünger ein Film über die letzten fahrplanmäßigen Fahrten vom 12. Dezember 2004 von Großpostwitz nach Bautzen und zurück gezeigt. Die Filmaufnahmen entstanden 2004, der Film wurde jedoch erst jetzt fertig gestellt. Herr Jünger hat das Video auch dem oko zur Aufführung angeboten.

Zur Eröffnungsfahrt am 1.9.1877 gab es die Haltestelle in Singwitz noch nicht. Diese wurde erst am 15.10.1877 eingeweiht. Es befand sich aber in Singwitz eine Zweigleisanlage der Vereinigten Bautzener Papierfabriken. Die Haltestelle Singwitz war durch Berufs- und Ausflugsverkehr stark frequentiert.  So wurden beispielsweise im Jahre 1888 in Singwitz 72.900 Fahrkarten verkauft. Nicht mitgerechnet waren dabei die Ausflügler mit Rückfahrkarte. Mehrfach wurden die Dienst- und Warteräume erweitert.

Herr Jünger präsentierte noch Kopien und Ausdrucke alter Postkarten vom Bahnhofsrestaurant, dem Güterbahnhof der Papierfabrik, eine Bauzeichnung über die Vergrößerung der Wartehalle und den Anbau eines Brennmaterialschuppens vom April 1887, den Fahrplan vom 1.September 1877 Bautzen-Schandau, Fotos alter Loks und Güterzüge sowie vom Stellwerkraum Singwitz und vom Bahnhof Großpostwitz. Aus dem Internet hat er bei Wikipedia eine Liste der Kulturdenkmale von Obergurig heruntergeladen, ausgedruckt und mitgebracht. In der Liste sind nur wenige Gebäude abgebildet.

Herr Seiler zeigte Filme über Eisenbahnfahrten auf der Strecke Bautzen-Cunewalde-Löbau. Einleitend erklärte er die Situation der Streckenführung an Hand einer Eisenbahnkarte für den Raum südlich von Bautzen. Diese Karte zeigt Eisenbahnleitzahlen ähnlich der Postleitzahlen. Herr Seiler hatte auch auf der Strecke Bautzen-Singwitz aktuelle Aufnahmen gemacht. Dabei zeigte sich deutlich wie schnell die Natur das von Menschenhand veränderte Gelände zurückerobert und dass innerhalb von 10 Jahren die Strecke total zugewachsen ist.

 

10. 12. 2014

Es sahen die Besucher „Abends in der Weihnachtszeit“, ein Videoclip der schon im Jahre 2008 für den oko entstanden war. Weiter aus der Konserve ging es mit Müllerin und Müller, die sich einen Weihnachtsbaum besorgen mussten und dabei Probleme mit dem Förster hatten.

Der nächste Film beschäftigte sich mit den Weihnachtskrippen von Schirgiswalde. Bekannt wurde Schirgiswalde vor allem wegen der Vielzahl von Krippen der nordböhmischen Tradition, die sich hier erhalten haben. Im Gegensatz zum erzgebirgischen Weihnachtsberg zeigen die traditionellen Schirgiswalder Krippen das Weihnachtsgeschehen in einer orientalischen Landschaft. Vorbilder dieses Krippenstils waren Bibelillustrationen der sogenannten „Nazarener“ aus dem 19. Jahrhundert.

Ein weiteres Thema waren die Herrnhuter Sterne, deren Entstehung auf Asylanten zurück geht. 1722 gewährte Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf auf seinem Gut Berthelsdorf in der Oberlausitz mährischen Glaubensflüchtligen Asyl. Durch die Gegenreformation ab dem 16. Jahrhundert wurden Protestanten im Habsburger Reich, insbesondere in Böhmen und Mähren, verfolgt. Einige von Ihnen wanderten deshalb ins lutherische Sachsen aus. Die Ansiedlung der ersten beiden Familien legte den Grundstein für die schnell wachsende Siedlung Herrnhut.

Im weiteren Verlauf sprach Herr Armin Wagner über Weihnachtsmärkte in Deutschland sowie sorbische Weihnachtsbräuche. Weiterhin wurden Bücher vorgestellt und auf das 125 jährige Bestehen des Pariser Eifelturmes hingewiesen. Zum Schluss gab es noch einen kleinen Film über die letzte Fahrt mit einer Dampflokomotive auf der Strecke Bautzen-Wilthen im Dezember 2004.